Der Siegermacher

ISBN 978-3-926396-70-9

»... das Meiste was sich im Profisport bewegt, ist um etwa eine Klasse besser, als im Amateurbereich. Die Spitzen im Profisport übertrumpfen diese Spitzenleistung dann nochmals um eine Klasse, so dass sie für die anderen uneinholbar werden. Und genau diese Diskrepanz ist des Gladiators Triumph. Das Volk an den Bildschirmen fragt nicht nach dem vierten, fünften, sondern nach dem ultimativen Sieger. Und der Hochleistungssportler weiß, dass er mit Training allein es nicht schaffen kann. Denn trainieren tun alle. Und gute Sportgeräte haben ebenfalls alle.«

»Phänomenale Leistungen sind also auf natürlichem Wege nicht mehr möglich?« zweifelte Richard.

»Das was die Sponsoren, sprich Werbeträger und somit die Zuschauer als phänomenal bezeichnen, ist allein durch Training und Ernährung nicht mehr zu erreichen. Die Athleten wissen das, sie flehen ihre Betreuer auf unterstützende Maßnahmen an. Dabei nehmen sie gerne Nebenwirkungen und Spätfolgen in Kauf. Zugegeben, etwas Einfältigkeit gehört schon dazu, sich derart schädigen zu wollen, um einen Lorbeerkranz und einen Werbevertrag zu bekommen.«

»Sport, zumindest Leistungsport«, fasste der Agent zusammen, »ist also eine krankmachende, lebensgefährliche Tätigkeit?«

Der Wissenschaftler stand auf: »Ich bin hier nur der Forschungsleiter, es gibt andere Stimmen im Bereich der Sportmedizin. Doch ich glaube sagen zu können, der Leistungssport ist die Brutstätte für Invalidität und Schwerstbehinderung. Das allerdings auf sehr hohem Niveau. Wir forschen im Grenzbereich. Manche unterstützende Maßnahmen im Sport bleiben folgenlos, andere führen zu Lungen- oder Nierenversagen, Nervenschäden, Knochenschwund, Verlust des Zahnschmelzes, Unfruchtbarkeit oder Blutkrebs. Schon geringe Mengen Amphetamin sind bei einigen Menschen tödlich. Ein weites Feld.«

»Eine Frage habe ich noch«, meinte Richard, »Können Sie mir dann einen Tipp geben, wer in diesem Bereich des Leistungssports die Anreize steuert?«

»Wir sind eine wissenschaftliche Anstalt und unsere Forschungsergebnisse werden regelmäßig veröffentlicht. Wenn Sie also Täter suchen, müssen Sie dort suchen, wo das Geld mit dem Leistungssport verdient wird.«

»Bei den Krüppeln und Behinderten?« fragte Richard und verzog verächtlich seinen Mundwinkel.

»Natürlich nicht. Überlegen Sie, wer mit diesem System mehr Geld verdient als die Sportler und Sie haben Ihre Täter.«

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